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Der ökologische Fußabdruck von Leonardo DiCaprios Diamantfabrik in der Extremadura und warum wir auch mit Labordiamanten handeln

Trujillo in der Extremadura im Südwesten Spaniens ist der Standort für die neue Fabrik für Labordiamanten von Leonardo DiCaprios Diamond Foundry

Der US-amerikanische Filmschauspieler und Hollywood-Star Lenoardo DiCaprio ist nicht erst seit seiner Hauptrolle im 2006 erschienenen Film „Blood Diamond“ für seine Vorliebe bekannt, mit „Impact Investing“ einen Beitrag zu nachhaltigen ökologischen und sozialen Geschäftsmodellen zu leisten. 2021 überraschte er die Weltpresse mit seiner Entscheidung, bei dem 2012 im Silicon Valley gegründeten Unternehmen Diamond Foundry als Berater und Investor einzusteigen. Das von Martin Roscheisen, Jeremy Scholz und Kyle Gazay gegründete Unternehmen hat sich der Herstellung von synthetischen Diamanten verschrieben und betreibt bereits eine Fabrik in Wenatchee im US-Bundesstaat Washington.

Der Produktionsstandort in Trujillo in der Extremadura, dessen Inbetriebnahme für 2024 geplant ist, hat aber gänzlich andere Proportionen als das bisherige Geschäft des Tech-Unternehmens: Bis zu 670 Millionen Euro sollen vor Ort investiert werden, bis zu 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Für eine Stadt und eine Region, die seit Jahrzehnten mit Arbeitslosigkeit und Massenabwanderung zu kämpfen haben, sind das wahrlich gute Nachrichten.

Die Ankündigung DiCaprios, die Diamantfabrik zu 100% mit erneuerbaren Energien betreiben zu wollen, machte das Image des Projekts dann perfekt und zum Liebling der Medien. Nun verstehen sich Hollywood-Schauspieler bekanntermaßen besonders gut darin, Dinge in einem schmeichelhaften Licht darzustellen. Doch bei allem guten Willen, der in diesem Projekt steckt, gibt es auch kritische Punkte, die wir in diesem Artikel der Vollständigkeit halber erwähnen wollen.

Herkunftsländer und Produktionsverfahren von Labordiamanten

Labordiamanten werden in Fabriken gezüchtet, die viel Energie benötigen
Der ökologische Fußabdruck von Labordiamanten ist groß und variiert je nach Energiequelle und Herstellungsland

Nicht ohne Grund ist es nahezu unmöglich, auf den Webseiten und in Veröffentlichungen der Hersteller von synthetischen Diamanten Aussagen darüber zu finden, welchen ökologischen Fußabdruck Labordiamanten bei Ihrer Herstellung hinterlassen. Denn Labordiamanten werden gerne als die „ökologische“ und „ethische“ Alternative zu natürlichen Diamanten angepriesen. Tatsache ist aber, dass für die Züchtung von synthetischen Diamanten Unmengen von Energie benötigt werden, um die notwendige Hitze und den notwendigen Druck zu erzeugen.

In China, wo mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion von Labordiamanten stattfindet, wird mehr als 55% des Stroms mit Kohlekraftwerken produziert. In den nachplatzierten Produktionsstandorten Indien, Vereinigte Staaten von Amerika, Singapur, Russische Föderation und Vereinigtes Königreich sieht die Ökobilanz der Stromproduktion wenig besser aus. Die Liste der größten Produzenten von künstlich gezüchteten Diamanten wirft zudem ein Schlaglicht auf weitere heikle Fragen. Keinesfalls kann bei einigen Produktionsstandorten nämlich sichergestellt werden, dass in den Fabriken humane Arbeitsbedingungen herrschen und die Arbeiter fair entlohnt werden. Zudem sind einige der Hauptproduzenten in die blutigsten Konflikte unserer Zeit verwickelt. Von konfliktfreien Diamanten kann bei Labordiamanten daher nicht ohne weiteres gesprochen werden.

Schließlich geriet die noch junge Industrie von Labordiamanten in letzter Zeit unter gehörigen Druck, da die Preise für synthetische Diamanten aufgrund des steigenden Angebots und effizienterer Produktionsprozesse stark gesunken sind. Solche Durststrecken treffen junge Unternehmen mit geringer Liquidität oft empfindlich und damit auch deren Beschäftigte, die nicht selten die Leidtragenden einer solchen Entwicklung sind.

Ein offener Brief an Leonardo DiCaprios Diamond Foundry

Aber zurück zu Leonardo DiCaprios Impact Investment in Diamond Foundry. Das Unternehmen behauptet nämlich, vollständig CO2-neutral zu sein. Belegen wollte Diamond Foundry diese Behauptung auf Nachfrage nicht. Auch die von Diamond Foundry beauftragte Zertifizierungsstelle lehne eine Stellungnahme ab. Dass mit CO2-Zertifikaten allerlei Kuhhandel betrieben wird ist weithin bekannt. Da wir uns jedoch als Wegbereiter für ökologisch und sozial nachhaltige Geschäftsmodelle verstehen, wollen wir diesen Artikel mit einem offenen Brief an Herrn DiCaprio abschließen:

Sehr geehrter Herr DiCaprio,

als Bewunderer Ihrer Kunst verfolgen wir Ihren unermüdlichen Einsatz für eine bessere Welt seit langem. Ihr Engagement bei Diamond Foundry sehen wir als positiven Beitrag für unsere Branche – der Diamantindustrie. Labordiamanten besitzen nahezu die gleichen faszinierenden Eigenschaften wie natürliche Diamanten und sind seit langem in verschiedenen Industriezweigen unersetzlich. Auch die optische Qualität von synthetischen Diamanten wird immer besser, so dass sich Labordiamanten in den letzten Jahren einen Platz in der Herstellung für Schmuck erarbeitet haben. Gerade im preislichen Einstiegssegment für Diamantschmuck können Labordiamanten aus unserer Sicht ganz neue Käuferschichten erschließen und diese gleichzeitig für die ethischen Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse sensibilisieren. Natürliche Diamanten werden aus unserer Sicht ihren Platz als Highend-Produkte behalten und als Wertspeicher weiter einen Platz in Anlageportfolios haben.

Sehr geehrter Herr DiCaprio, da wir unseren Kund:inn:en eine konfliktfreier Herkunft aller unserer Diamanten garantieren und höchsten Wert auf einen ethischen Beschaffungsprozess legen, würden wir gerne Diamanten bei Ihnen kaufen. Dazu haben wir einige Fragen an Sie, die wir sehr gerne mit einem Ihrer Vertriebsmitarbeiter:innen besprechen würden:

  • Sie geben an, Ihre Fabrik in Trujillo in der Extremadura zu 100% mit erneuerbaren Energien betreiben zu wollen. Welchen Energiemix hat Ihre Fabrik dabei?
  • Die Herstellung von Solarmodulen hat aufgrund der verwendeten Seltenen Erden und dem Glas einen sehr großen ökologischen Fußabdruck. Ist dieser Fußabdruck in Ihre CO2-Bilanz eingerechnet?
  • Sie geben an, dass Diamond Foundry vollständig klimaneutral ist. Können Sie diese Aussage bitte belegen?
  • Bekennen Sie sich zu ethischen Grundsätzen für die Beschäftigung und Entlohnung Ihrer Mitarbeiter:innen, die für alle Ihre Mitarbeiter:innen weltweit gelten?
  • Veröffentlichen Sie regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem Sie den Status Quo Ihres Unternehmens in Sachen Nachhaltigkeit veröffentlichen, Ziele festlegen und Entwicklungen aufzeigen?
  • Die Preise für Labordiamanten sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Wie stellen Sie vor der Prognose weiter sinkender Preise sicher, dass Ihr Impact Investment auch ökonomisch nachhaltig ist?

Wir danken Ihnen für Ihre Antwort und verbleiben

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team von MORGENROT Diamonds

Labordiamanten: Mythos und Wirklichkeit

Nachtrag: Liebe Leserinnen und Leser unseres Diamantblogs, wie Sie gewiss schon bemerkt haben, wollen wir Sie mit unseren Blogartikeln nicht nur über Diamanten und die Diamantindustrie informieren, sondern Sie auch unterhalten. Diamanten sind für uns viel mehr als ein Job, sondern vor allem ein wunderschönes Produkt, mit dem wir unseren Kund:innen sehr viel Freunde bereiten können. Umso wichtiger ist uns, dass diese Freude tatsächlich ungetrübt ist und nicht von Gedanken an eine möglicherweise zweifelhafte Herkunft belastet wird. Labordiamanten wurden in unserer Branche lange erst als „Schmuddelkinder“ beschimpft, dann argwöhnisch beäugt, schließlich als das Verderben einer ganzen Branche verteufelt.

Für uns stellen synthetische Diamanten eine Chance dar, unser Handeln und unsere Branche kritisch zu hinterfragen und für uns und unsere Kund:innen neue Wege und Möglichkeiten zu erschließen. Der Weisheit letzter Schluss sind Labordiamanten dabei keineswegs. Durch den Preisverfall synthetischer Diamanten gerieten die Anbieter dieser Hochdrucktechnologie selbst unter gewaltigen Druck. Der ökologische Fußabdruck synthetischer Diamanten ist nach wie vor miserabel, verbessert sich jedoch stetig, eine Entwicklung, die man auch bei natürlichen Diamanten beobachten kann. Was die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten angeht, heißt es wie überall: „Wer sehen will, der sieht.“ Gerne dürfen Sie unsere Expertise diesbezüglich als „Sehhilfe“ verwenden. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Beratung an Anspruch nehmen, gerade weil Ihnen neben Qualität und guter Preisleistung auch die ethischen Aspekte bei der Diamantherstellung und -verarbeitung wichtig sind.

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